Quaggamuschel

Invasive Muschel

Quaggamuscheln im Möhnesee, Foto: Ruhrverband
Quaggamuscheln im Möhnesee, Foto: Ruhrverband

Die Quaggamuschel ist eine invasive gebietsfremde Art, die sich zunehmend in Deutschland, auch bei uns in NRW, ausbreitet und erhebliche negative Auswirkungen auf die Gewässerökosysteme und Wasserinfrastruktur haben kann. Daher ist es wichtig, der weiteren Ausbreitung der Quaggamuschel entgegenzuwirken. 

Steckbrief der Quaggamuschel: 

Die Quaggamuschel (Dreissena rostriformis bugensis) zählt wie die ebenfalls eingeschleppte Zebramuschel (Dreissena polymorpha) zu den Dreikantmuscheln. Sie stammt ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum, breitet sich aber seit einigen Jahren auch stark in Mitteleuropa aus. Aufgrund ihrer massenhaften Vermehrung und erheblichen Auswirkungen wird sie als invasive gebietsfremde Art eingestuft. Das sind nicht heimische Arten, die sich oftmals massenhaft vermehren. Sie etablieren sich  rasant in neuen Lebensräumen und verursachen dort negative ökologische, ökonomische und teilweise gesundheitliche Schäden. Die Quaggamuschel besiedelt bevorzugt Seen und langsam fließende Gewässer. Daher sind insbesondere Stillgewässer von einem Befall der Muschel gefährdet.  
 

Wie verbreitet sich die Quaggamuschel?

Bei günstigen Bedingungen vermehrt sich die Quaggamuschel rasend schnell. Die Verbreitung in neue Gewässer geschieht nicht nur über anhaftende ausgewachsene Muscheln, die eine Größe bis zu 4 cm erreichen, sondern auch über ihre Larven. Diese sind mikroskopisch klein, mit bloßem Auge nicht erkennbar und können in kleinen Tröpfchen und Restwasseransammlungen lange überdauern. Daher ist es so schwierig, die Ausbreitung der Muschel einzudämmen. So können die Larven der Muscheln über kontaminierte Boote, Wassersportgeräte oder sonstige Freizeitausrüstung schnell unbeabsichtigt von einem Gewässer ins nächste “mitgeschleppt“ werden. Sobald die Muschellarven in ein neues Gewässer gelangen, braucht es etwa sechs bis zwölf Monate, bis sie zu ausgewachsenen Muscheln heranwachsen. Da sich die Quaggamuschel selbst bei geringen Wassertemperaturen von nur 5°C – und somit im Gegensatz zur Zebramuschel nahezu ganzjährig – vermehren kann, erfolgt die Ausbreitung innerhalb eines geeigneten Gewässers sehr schnell.

Bisher keine Verbreitung im Wuppergebiet:

Zwar ist bislang noch kein Vorkommen der Quaggamuschel im Verbandsgebiet bekannt, allerdings besteht aufgrund der kürzlichen Ausbreitung in Talsperren des benachbarten Sauerlands ein erhöhtes Risiko für einen Befall. Dies betrifft insbesondere die hochfrequentierten Brauchwassertalsperren des Wupperverbands mit reger Freizeitnutzung. Da eine Besiedlung zahlreiche negative Folgen hätte, hat der Wupperverband das Thema im Blick und führt entsprechende Maßnahmen durch. Deshalb werden im Jahr 2026 durch die Fachabteilung Limnologie Untersuchungen zur Früherkennung der Quaggamuschel über Umwelt-DNA an den Talsperren durchgeführt. Außerdem hat der Wupperverband Empfehlungen zur Prävention der Verbreitung veröffentlicht und sensibilisiert Erholungssuchende und Nutzer*innen der Talsperren. Hierzu weist das Fachpersonal des Talsperrenbetriebs vor Ort zusätzlich auf die Problematik hin und bleibt im Rahmen der Kontrollgänge achtsam. 

Welche Folgen hat eine Besiedlung der Quaggamuschel?

Aufgrund der massenhaften Vermehrung, extrem hoher Bestandsdichten (bis zu >5.000 Individuen pro Quadratmeter möglich) und Besiedlung jeglicher Substrate sowie Tiefen bis zu ca. 240 m gefährdet die Quaggamuschel das Gleichgewicht des Gewässerökosystems. Die Muschel filtriert beinahe das gesamte Plankton, die pflanzlichen und tierischen Kleinstorganismen, aus dem Wasser und entzieht so den einheimischen planktonfressenden Gewässerorganismen die Nahrungsgrundlage. Dies betrifft insbesondere viele Fische sowie andere Muschelarten. Der verringerte Bestand planktonfressender Fische führt wiederum zum verringerten Nahrungsangebot für Raubfische und Wasservögel wie Kormoran und Gänsesäger. Somit verändern sich Nahrungsnetz und Artenzusammensetzung, was das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt. 
Nicht nur das Ökosystem wird durch die Quaggamuschel geschädigt, auch die wasserwirtschaftlichen Anlagen sind gefährdet. Die Muschel besiedelt jegliche Oberflächen, darunter Rohre, Pumpen, Filter und weitere technische Bauteile. Das beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit, verursacht vermehrt Betriebsstörungen und beschleunigt den Verschleiß von Bauteilen. Deshalb braucht es häufigere Kontrollen und aufwändige Reinigungen, wodurch erhebliche Kosten entstehen.  
 

Maßnahmen zur Prävention:

Bislang gibt es keine Möglichkeit, die Quaggamuschel wirksam und langfristig aus einem befallenen Gewässer zu entfernen, sobald sie sich einmal etabliert hat. Auch Fressfeinde, z.B. karpfenartige Fische wie Rotaugen und Brassen, können den Bestand der Quaggamuschel nach aktuellem Kenntnisstand nicht kontrollieren.
Daher ist die Prävention der weiteren Ausbreitung die wichtigste Maßnahme zum Schutz unserer Gewässer und dabei kann jede/r unterstützen!
Boote, Wassersportgeräte und sonstiges Freizeitequipment, das in Gewässern verwendet wird, sollte gründlich gereinigt und vor erneuter Benutzung vollständig getrocknet werden. Das gilt vor allem, wenn das Equipment in unterschiedlichen Gewässern verwendet wird. Bei der Reinigung sollen folgende Punkte Berücksichtigung finden: 
•    Vollständige Entfernung von Bilgen-/Restwasser und Entleerung wassergefüllter Behältnisse
•    Gründliche Reinigung möglichst mit heißem Wasser (Empfehlung: mindestens 60° C)
•    Keine Reinigung in unmittelbarer Gewässernähe
•    Vollständige Trocknung über längere Dauer vor erneuter Benutzung (Empfehlung: einige Tage)   
 

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